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Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde in England mit der Ausstellung der ersten importierten Afghanischen Windhunde, in sogenannten ausländischen Klassen begonnen.













Aus dem Jahr 1894 stammt die Darstellung eines „Afghan Barukhzy Hound“. Modell für das Gemälde des Tiermalers Arthur Wardle stand Shahzada der 1901 starb und den man heute im British Museum of Natural Historie sehen kann.

1907 kamen Mr. and Mrs. Barff aus Afghanistan zurück und brachten einen Afghanischen Windhund namens Zardin mit nach England. Zardin stammte aus Seistan in Persien (heute Iran). In dieser Gegend lebten vorwiegend Tiere mit sehr dichtem Fell, die Mehrzahl von ihnen hatte eine rehbraune Farbe und ein schwarzes Gesicht. Auf seinem Weg nach England wurde Zardin in Indien ausgestellt. Dies ist heute insoweit von Interesse, als die detaillierte Beschreibung Zardin’s durch eine indische Zwingerzeitschrift als die einzig dokumentierte Beschreibung gilt, die uns heute vorliegt. Zwar wurde 1912 auf private Initiative (der British Kennel Club übernahm erst 1948 die Verantwortung) ein Standard nach dem Leitbild Zardin’s verfasst. Sämtliche Exemplare gingen jedoch in den Wirren des 1. Weltkrieges verloren. In der Indischen Kennel Review 8/48 vom Oktober 1906 heißt es:
„Zardin ist von heller Farbe, fast weiß, mit einem schwarzen Fang. Er hat sehr lange, besonders starke Kiefer und ein Zangengebiß. Sein Kopf ähnelt dem des Deerhound, jedoch mit einem länglich runden Schädel und einem betonten Hinterhauptstachel, überragt von einem Haarschopf; die Ohren sind ziemlich groß, gut befedert und werden an der Seite des Kopfes getragen. Er hat ein durchdringendes, dunkles Auge und fast keinen Stop. Ein langer, starker, wohlgeformter Hals, der ziemlich gut gebogen ist, verläuft in einem schönen Bogen zur Schulter, welche lang und abfallend und gut zurückgesetzt ist. Sein Rücken ist stark, die Lenden kraftvoll und leicht gebogen, bei ihm, wie bei allen Hunden dieser Gruppe, abfallend zur tief angesetzten Rute, die fast haarlos ist und normalerweise unten getragen wird. Die Rippenpartie ist gut ausgebildet und zur Lende hin aufgezogen; die Vorderbeine sind gerade und kräftig und mit Haaren bedeckt; große Länge zwischen den Ellbogen (die gerade sind) und Fußknöcheln. Die Vorderfüße sind lang, ziemlich breit und mit langen Haaren bedeckt. Nicht zu schmal in der Brust, die tief ist und mit guter Rippenwölbung. Die Hinterhand ist sehr kraftvoll, mit sehr vielen Muskeln ausgestattet; große Länge zwischen Hüfte und Sprunggelenk, welches tief angesetzt und stark ist, die Hinterfüße nicht so lang als die Vorderfüße, aber ziemlich breit und gut mit Haaren bedeckt. Die Hinterhand, Flanken, Rippen und Vorderhand sind sehr gut mit Fell bedeckt, welches in der Struktur dick und ausgezeichnet ist, und etwas Unterwolle zeigt. Das Fell auf dem Rücken ist kürzer.“ Im selben Bericht wird Zardin’s Größe mit so ungefähr 71 cm angegeben.










Eine weniger bekannte Photographie zeigt Zardin 1907, kurz nach seiner Ankunft in England. Das Originalgemälde stammt von A. Wardle.

Obwohl Zardin ohne jeden Zweifel einen prägenden Eindruck in der Zucht der Afghanischen Windhunde außerhalb Afghanistans hinterlassen hat, findet sich in den alten Ahnentafeln bis heute leider kein Hinweis auf ihn.

1921 kamen Miss Jean Manson (hier abgebildet mit Ch. Ranee and Kanee - beides Töchter von Rajah und Begum) zusammen mit Major Bell-Murray und 12 Afghanischen Windhunden aus dem südlichen Grenzgebiet Afghanistans nach England zurück. Einige Jahre zuvor, während eines Ausritts, sah Miss Manson ihren ersten Afghanischen Windhund in der Nähe von Quetta an der Grenze zu Belutschistan. Fasziniert vom Anblick dieses Hundes, der neben seinem berittenen Herrn hertrabte, kam sie sofort mit dem afghanischen Reiter ins Gespräch und konnte die Afghanenhündin nach hartnäckigem Feilschen schließlich erwerben. Sie nannte die Hündin wegen ihres guten Benehmens Begum, was Königin bedeutet. Vier Jahre lang suchte Miss Manson einen passenden Partner für Begum. Schließlich wählte sie aus einer Gruppe einen Rüden aus, dem sie den Namen Rajah gab. Der Rüde stand in dem Ruf ein guter Jäger zu sein und war deshalb von den Einheimischen sehr begehrt. Rajah wurde denn auch wiederholt gestohlen und kam zuletzt nach zwei Monaten gänzlich mit roter Farbe bemalt und mit abgerissenen Seilen, die er hinter sich herzog, wieder zurück. Mit Hilfe von Major Bell-Murray konnte Miss Manson Begum, Rajah, ihre Nachtzucht und eine weitere Gruppe von Afghanischen Windhunden in den Cove Kennel nach Schottland verschicken. Diese zwölf Import Tiere wurden später unter dem Namen „Bell-Murray-Afghanen“ bekannt.
Die Bell-Murray Afghanen spielten dann auch in der Zucht und bei den ersten Rasseausstellungen eine tragende Rolle. 1925 schlossen sich verschiedene Eigentümer von Bell-Murray-Afghanen zusammen und gründeten den Afghan Hound Club. Den Standard denn sie in der Folge erstellten, hatte eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zu der indischen Beschreibung Zardins. Dieser sogenannte „Denyer-Standard“ existierte in England allerdings nur kurze Zeit. Dennoch diente er als Grundlage des ersten amerikanischen Standards der bis zum Jahre 1948 Gültigkeit hatte.

Nach dem Afghanischen Krieg 1919 entdeckte Major Amps, der in der Gegend von Kabul stationiert war, zusammen mit seiner Frau Mary Hunde einen ganz anderen Hundetyp, der Zardin ähnlicher war.

Noch in Afghanistan gründeten sie den Zwinger of Ghazni. Ihre ersten Rüden Sirdar (Photo), eine hauptsächlich im indischen gebräuchliche Bezeichnung für hochgestellte Persönlichkeiten, sowie Khan hinterließen, wie schon zuvor die Bell-Murray Hunde, in vielen Ahnentafeln bleibende Spuren. Vieles von dem was wir über Afghanische Windhunde wissen stammt aus der Feder von Mrs. Amps. Sie war eine äußerst produktive Verfasserin von Briefen und Schriften im Sinne des von ihr bevorzugten Typs. Ihre unzähligen Briefe an Herausgeber von Zeitungen und Magazinen bildeten in den meisten englischen Hundebüchern des 20 Jahrhunderts die Grundlage für die Afghanenkapitel. Zurück in England, mit einer kleinen Gruppe ihrer Ghazni Afghanen, erklärte sie diese umgehend zu den ersten rechtmäßigen Afghanen seit Zardin. Die Auseinandersetzung mit Anhänger des Bell-Murray-Typs ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Von Züchtern und Importeuren dieser Hunde auf ihre These vom richtigen Typen angesprochen, machte sie keinen Hehl daraus, dass sie sich für die Autorität in Bezug auf die Rasse hielt. Zwischen Mary Amps und Major Bell-Murray gab es häufiger verbale Zusammenstöße, die nicht selten in den Hundezeitschriften veröffentlicht wurden, und in deren Folge sie ihre Hunde gegenseitig als Fälschungen bezeichneten. Einmal bemerkte Major Bell-Murray, er sei von den Ghazni-Hunden nicht genügend beeindruckt gewesen, um sich die Mühe zu machen einen zu kaufen, als er in Peschawar dazu die Gelegenheit hatte. Er vertrat ferner die Auffassung, daß seine Hunde in dem feuchten englischen Klima sehr viele ihrer Haare verloren hätten. Mrs. Amps erwiderte darauf, daß keiner ihrer Hunde zu verkaufen sei und darüber hinaus, ihre Tiere in England wesentlich mehr Haare bekommen hätten, als sie jemals vorher hatten. Gegen den von Mrs. Amps beanspruchten Vorzug des üppigeren Fells brachte Major Bell-Murray die seiner Auffassung nach zu geringe Größe der Ghazni-Afghanen ins Spiel, Sirdar maß nur knapp 61 cm in der Schulterhöhe. In diesem Punkt mochte denn Mrs. Amps auch nicht widersprechen, andererseits sei er eben ansonsten ausgezeichnet. Darüber hinaus bestand sie darauf, daß Sirdar größer sein könnte, wenn er sich nicht als Welpe die Beine gebrochen hätte und die Brüche besser verwachsen wären. In Anbetracht des Gangwerks, für das Sirdar gerühmt wurde, scheint diese Darstellung seiner Eigentümerin nicht haltbar. Die Auseinadersetzungen könnten sicherlich ganze Bände füllen. Doch hier möchte ich es bewenden lassen, jedoch nicht ohne zu erwähnen, daß die beiden Kontrahenten durchaus auch in der Lage waren, auf sachlicher Ebene miteinander umzugehen und die Punkte zu besprechen, die sie bei ihren Tieren jeweils für verbesserungswürdig hielten. Denn beide wussten sehr genau, daß sich weder alle Bell-Murray noch alle Ghazni-Afghanen eindeutig einer Gruppe zuordnen ließen. Bereits zum Ende der 20 Jahre wurden denn auch schon die beiden Typen untereinander verpaart. Dennoch konnte nur die Bezeichnung „aus Afghanistan“ die Rasse vor dem Auseinanderbrechen bewahren, weil sich die Richter zu jener Zeit nur schwer auf einen Qualitätsstandard einigen konnten.



Mrs. Amps mit Ch. Sirdar of Ghazni und Nachzucht

Als die Überlegenheit der ersten Generationen nachließ, gingen einige Züchter dazu über, aus den lokal vorhandenen Nachkommen neue Typen zu züchten. Andere, die mit den vorhandenen Möglichkeiten unzufrieden waren, importierten weitere Tiere. 1933 wurde die Afghan Hound Association gegründet und setzte sich einen eigenen Standard, der bis 1946 Gültigkeit hatte. Dieser war ausführlicher und detaillierter, als die früher an Zardin orientierte Beschreibung. Mrs. Amps wurde die erste Präsidentin der A.H.A und setzte durch, daß der kompakte, eng gezüchtete Afghane der einzige war, der als richtiger Typ anerkannt wurde. Einzig die Größenregelung in diesem Standard begünstigte die Bell-Murray-Afghanen. In Folge des 2. Weltkrieges gab es eine Unterbrechung bei den Ausstellungen und der Zucht.
1946 formierte sich schließlich eine kleine Gruppe von Afghanen Liebhabern in der Hoffnung mit den noch vorhandenen Tiere die Rasse neu aufbauen zu können. Im gleichen Jahr wurde ein neuer Standard beim British Kennel Club angemeldet, der sich nicht wesentlich von seinem Vorgänger unterschied. Änderungen gab es im Hinblick auf den orientalischen Charakter des Augenzuschnitts, die Haltung der Rute sowie die Behaarung an Ohren und Beinen. Dieser Standard, der 1948 vom British Kennel Club genehmigt wurde, hat heute noch Gültigkeit.
Von England aus kamen die ersten Afghanischen Windhunde dann in die Niederlande und nach Frankreich. In den Niederlanden fiel 1929 aus Nachkommen des sog. Bell-Murray-Typs im Zwinger Barukhzy’s von Frau Jüngeling der erste Afghanenwurf. Fast zehn Jahre später, im Jahr 1938, fiel der erste Wurf im legendären niederländischen Zwinger „van de Oranje Manege“ von Frau Eta Pauptit, die über viele Jahre das Renn- und Zuchtgeschehen, nicht nur in Europa, maßgeblich mitgestalten sollte.

Der erste im Deutschen Windhundzuchtbuch eingetragene Afghanische Windhund ist der 1930 geborene Rüde Abdur Rahman of Geufron aus der Zucht von Mrs. E. Drinkwater, England.












Großes Aufsehen erregte Major Han Jungeling van den Berg (Zwinger Barukhzy) 1932 mit seiner Afghanengruppe anläßlich einer Ausstellung in Dortmund.

Bis 1939 gab es dennoch erst 11 ins Deutsche Windhundzuchtbuch eingetragene Afghanische Windhunde, alle wurden aus ausländischen Zuchten importiert. Der erste deutsche Afghanenwurf fiel 1940 im zugleich ersten deutschen Afghanenzwinger „von der Burg Windeck“, welcher im gleichen Jahr von Frau Ellen Windecker-Castan gegründet wurde. Die Afghanenimporte bzw. die zur Zucht eingesetzten Rüden aus England, vor allem aber aus den Niederlanden, sollten in der Folge die deutsche Zucht über viele Jahre maßgeblich prägen, ehe dann, beginnend in den sechziger Jahren die ersten Rüden aus Skandinavien und Amerika zur Zucht verwandt wurden und damit eine stärkere Internationalisierung der deutschen Afghanenzucht einsetzte.

 

 


 

 

 

 

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